Teramer "bad landing" Nir - 01 Der Landeanflug

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Teramer Nir
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Teramer "bad landing" Nir - 01 Der Landeanflug

Der Landeanflug


Kopfschmerzen!
Höllische Kopfschmerzen!
Hämmernde und singende höllische Kopfschmerzen!
Das ganze wird begleitet von einer gedämpften Stimme. Sie sagt irgend etwas von 10 Minuten. Ich habe aber keine Lust die Augen zu öffnen. Den Kopf nur etwas zur Seite neigen. Weiter schlafen und von schönen Dingen träumen. Doch da sind immer noch die Kopfschmerzen.
„7 Minuten, 30 Sekunden“ sagt die gedämpfte Stimme.
Schön, kann ich so lange etwa noch schlafen? Auf Ross 128 sagten die Wecker des Waisenhauses für Kinder von lebenslangen Gefangenen immer nur „Aufstehen!“ Dann kamen auch schon immer sofort die Wärter und warfen dich aus dem Bett. Antreten zum Appell. Wir Kinder wurden genauso wie unsere Eltern behandelt. Wie Gefangene. Mit nur einem Unterschied: Sobald wir die Volljährigkeit erreichten, wurden wird entlassen.
„5 Minuten“ sagt die gedämpfte Stimme.
Seit wann habe ich überhaupt einen Wecker? Und warum liege ich nicht in meinem Bett?
Ich öffne langsam die Augen. Die ersten Eindrücke sind die unendlichen Weiten des Weltraums. Gefolgt von den Rahmen eines Cockpitfensters. Eines geborstenen Cockpitfenster.
„3 Minuten“, sagt die gedämpfte Stimme und deutet damit die Zeit des verbleibenden Sauerstoffvorrates an.
Ich drehe mein Kopf nach rechts. Langsam und träge. Genauso langsam aktiviere ich das Synthetisieren von Sauerstoff. Nun schaue ich mich weiter um. Die Instrumente geben mir folgende Informationen: Schiffshülle bei 12%, Schildwiederherstellung bei 21%. Treibstoffvorrat reicht nicht für einen Sprung.
24 Minuten und 55 Sekunden“ sagt die gedämpfte Stimme. Der Sauerstoffvorrat ist also wieder aufgefüllt. Laut der Systemkarte gibt es in 14 Lichtsekunden einen Planeten mit Siedlungen. Ich wähle die erstbeste Siedlung aus und fliege sie an. Die zerbrochene Cockpitkabine macht das ganze nur nicht leicht.
„5, 4, 3, 2, 1 , Sprung“ sagt die gedämpfte Stimme. Das Schiff, eine T10 ist nun im Supercruise. Langsam und träge, genauso wie ich, dreht sich das Schiff um den Planeten, richtet es sich zum Landeanflug aus. „Beginne orbitalen Anflug“ säuselt die gedämpfte Stimme. Gefolgt von: „Leistungsabfall! Kraftwerk beschädigt!“ Ich schalte mehrere Systeme runter. Schilde, Raffinerie, Drohnensteuerung. Waffen und Abbauwerkzeuge sind schon abgeschaltet. Die Entfernung wird mir mit 2.7 Mm angezeigt. Das ganze Schiff rüttelt und schüttelt sich, als wären wir schon im Gleitflug. Ist es aber noch nicht. Ein heftiger Ruck geht durch die T10. Hülle bei 9%.
1,9 Mm und immer noch 9% Hülle. Der Anflug könnte klappen. „15 Minuten“ wird mir gedämpft und monoton entgegen gesagt. Mal sehen was schneller zu Ende ist. Der Sauerstoff, die Schiffshülle oder die Entfernung. Ich schließe kurz die Augen und schüttle meinen Kopf hin und her. „Konzentriere dich!“ befehle ich mir selber. Ich starre abwechseln auf die linken Instrumente und in den freien Raum. Langsam nimmt die Entfernung ab und meine Zuversicht zu. Schweiß rinnt mir die Stirn runter. Sollte bei den neuen Raumanzügen eigentlich nicht möglich sein. Bei 800 km beginnt der Gleitflug. Das Rütteln und Schütteln der T10 erhöht sich. Mit der Entfernung und dem Sauerstoff nimmt auch die Hülle ab. 7%. Zunehmen tun nur die Kopfschmerzen. Ich halte die die Steuerung fest in den Händen. Vibriert das Schiff heftiger als sonst, oder bilde ich mir das nur ein? Natürlich vibriert sie heftier. Die T10 steht ja auch kurz vor dem Auseinanderbrechen. Wie ihr Pilot. „Durchhalten!“, sage ich dem Schiff. Und ich sage es mir. Der Gleitflug endet bei 8 km und ich funke die Siedlung an wegen der Landeerlaubnis. Die wird mir gewährt. Landeplatz 3. Allerdings muss ich die T10 erst dahin fliegen und dann um 180° drehen. Viel zu schwerfällig reagiert das Schiff auf die Steuerung. „Sachte, ganz sachte altes Mädel“, flüstere ich dem Schiff zu. Ich habe das Schiff über den Landeplatz. Langsam drehe ich das Schiff um seine eigene Achse. Nur noch Aufsetzen. Ich komme mir vor, wie beim Entschärfen eines Sprengsatzes. Konzentriert blicke ich auf den kleinen blauen Punkt links und auf die Sensoren vor mir. Beim Aufsetzen geht ein gedämpfter Stoß durch das ganze Schiff und durch meinen Körper.
Der Sauerstoff zeigt 3 Minuten 15 Sekunden an, als die Atmosphäre wieder hergestellt wird. Ich lehne mich zurück. Atme durch. Die ganze Anspannung fällt von mir ab. Die Kopfschmerzen lassen nach. Ich habe nur noch vier Gedanken.
Schiff gerettet.
Ladung gerettet.
Mich selber gerettet.
Schlafen, nur noch schlafen.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Teramer Nir für den Beitrag (Insgesamt 2):
Markus (Razor2) (So 24. Apr 2022, 14:05) • NI6H70WL (Di 26. Apr 2022, 13:32)
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