Perseverance Rover, ExoMars und die Raumfahrt drumherum

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Dr.Eisenheim
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Perseverance Rover, ExoMars und die Raumfahrt drumherum

Nun ist wieder ein Rover auf dem Mars gelandet. So ein Rover bekommt natürlich in allen Medien viel mehr Aufmerksamkeit als sämtliche Sonden oder Fernerkundungsmissionen zusammen. Ein Ding mit Rädern dran ist natürlich toll. Da kann auch der Durchschnittsamerikaner sagen, "Ja. Wir sind auf dem Mars."
Fairerweise muß hier natürlich auch gesagt werden, dass Landungen auf dem Mars schon immer sehr sehr schwierig waren. Aber man sollte auch festhalten, dass die ESA, bzw. das DLR und die französische Raumfahrtagentur bei diesem Unternehmen erheblich beteiligt sind.
Genau genommen ist die ESA schon seid 2016 in Kooperation mit Roscosmos am Mars. Mit einer der schwersten Sonden (3,7 Tonnen). Diese erkundet den Mars seidher nicht nur Optisch-Kartographisch, sondern misst unteranderem auch Gase in den oberen Schichten der Atmosphäre.
Ein weiteres Projekt, der ExoMars Rover ist schon länger geplant gewesen, doch die ESA ist bei derart kostenintensiven Vorhaben von allerlei Faktoren abhängig - oder anderst gesagt, von vielen Staaten und das bringt Probleme mit sich. In wieweit der Brexit das Projekt behindert hat, darüber liest man nichts. Die ESA hält sich bedeckt und die beteiligten Wissenschaftler halten sich da klugerweise auch raus.

https://www.esa.int/Space_in_Member_Sta ... nd_zurueck

Leider, muß man sagen .. mußte der anvisierte Start des ExoMars Rovers zweimal verschoben werden. Es scheint wohl auch Probleme mit den Landefallschirmen zu geben und der Masse, die man dafür verwenden will. Offenbar kommen hier auch politische Aspekte ins Spiel. Niemand spricht es direkt aus, denn die Wissenschaft hält sich traditionell aus Ideologie und Politik heraus. Aber es kam wohl schon zu einer gewissen Verstimmung bei der NASA, wegen der Kooperation mit Roscosmos. Und nun ist die ESA in der Zwickmühle, denn wenn das Landessystem (mit den Fallschirmen) das Gesamtpaket zu schwer macht, kann die Ariane Rakete das Teil nicht hoch bringen, und man müßte wieder mal auf eine russische Rakete zurück greifen. Darum setzt man nun alles daran das Landesystem leichter zu machen. Es gab wohl zwei Testläufe mit neuen leichten Fallschirmen, die aber als Fehlschlag eingestuft worden sind. Das Material hatte nicht die nötige Festigkeit, - sprich die Dinger sind gerissen.
Nun ist der Start also für 2022 vorgesehen. Hoffen wir mal, dass bis dahin nichts dazwischen kommt. (auch politisch)
https://www.esa.int/Science_Exploration ... on/ExoMars

Jedenfalls sammelt die ESA fleißig weitere Daten. Und die Sonde in der Umlaufbahn hat nun Chlorwasserstoff in der Marsatmosphäre gefunden, was wiederum ein starker Hinweis auf Wasser ist. Es scheint so als steigt noch immer Wasserdampf von der Oberfläche auf, je nach Jahreszeit.
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Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Dr.Eisenheim für den Beitrag (Insgesamt 2):
Markus (Razor2) (So 28. Feb 2021, 21:45) • MajorK (Mo 1. Mär 2021, 13:07)
Scheinbar gibt es in allen Dingen ein Muster, das Teil unseres Universums ist. Denn tief im menschlichen Bewußtsein besteht ein allgegenwärtiges Bedürfnis nach einem logischen Universum, das Sinn macht.
Dr.Eisenheim
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Re: Perseverance Rover, ExoMars und die Raumfahrt drumherum

Beim erneuten lesen meines Beitrags hab' ich das Gefühl, ein misslungenes Plädoyer für die ESA verfasst zu haben.
Sicherlich, die ESA ist alles andere als ein ideales Konstrukt. Weit entfernt davon. Die NASA muß wegen ihrer Projekte nicht bei zig Regierungen an die Tür klopfen. Doch auch bei der NASA läuft es nicht immer rund. So kam es in den vergangen Jahren immer wieder zu Budged-Kürzungen. Deswegen setzt die NASA nun immer mehr auf Kooperationen mit anderen US-Unternehmen. Und bei Roscosmos, dem Nachfolger der Soviet-Raumfahrtbehörde wurden in den letzten Jahren mehrfach die Direktoren wegen Korruption ausgetauscht.
Scheinbar gibt es in allen Dingen ein Muster, das Teil unseres Universums ist. Denn tief im menschlichen Bewußtsein besteht ein allgegenwärtiges Bedürfnis nach einem logischen Universum, das Sinn macht.
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Re: Perseverance Rover, ExoMars und die Raumfahrt drumherum

Nun aber zu der Raumsonde Gaia (ESA 2013). Das halte ich persönlich für das spannendste Projekt der modernen Astrometrie. Und es wird vielleicht das bedeutendste seid Hubble werden.
Gaia vermisst ca. 1 Milliarde stellarer Objekte. Letztlich will die Gaia-Mission den Ursprung und die Entwicklung der Milchstraße aufklären. Die vorläufigen Auswertungen dieser einzigartigen Daten offenbaren viele bemerkenswerte Details über Sternenpopulation in und ausserhalb der Milchstraße und darüber, wie Sterne sich bewegen. Und die Datenmengen sind enorm. So enorm, dass man die Daten zunächst sammelt und in einer Datenbank über das Internet für die Allgemeinheit zugänglich macht. Und nun beschäftigen sich diverse Universitäten mit der Auswertung. Diese auszuwerten benötigt viel Rechenkapazität und Zeit, ähnlich wie bei Seti damals.
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Auch Laien werden sicherlich schon mal vom Barnards Pfeilstern gehört haben. Der wird deshalb Pfeilstern genannt, weil er sich viel schneller bewegt als die meißten Sterne in unserer Umgebung. Er wird in den kommenden 10.000 Jahren Sol so nahe kommen, dass er Alpha-Centauri als nächsten Nachbarn ablöst.
Sterne, bzw. Sternensysteme bewegen sich. Und wie wir mittlerweile wissen, hat jede Galaxie kleinere Zwerggalaxien als Begleiter, die immer wieder die galaktische Scheibe durchwandern, wobei die Sterne sich zwar nahe kommen, aber auf Grund der enormen Distanzen sich praktisch keine Kollisionen ergeben. Auch bei Andromeda hat man ein Duzend Zwerggalaxien bestimmen können. Die Hälfte davon befindet sich derzeit aber praktisch in der Scheibe.
Gaia misst also nicht nur Spektren, Magnitude und Entfernung von Sternen, sondern auch deren Bewegung ganz genau. Zudem wird die Mission zahlreiche Doppel- und Mehrfachsterne auflösen und unser Verständnis dazu verbessern. Achja, unser Sonnensystem bewegt sich natürlich auch: https://tu-dresden.de/tu-dresden/newspo ... anguage=de


In ein paar Jahren wird es dann auch ganz neue Sternenkarten unserer stellaren Nachbarschaft und von der Milchstrasse geben.
https://de.wikipedia.org/wiki/Gaia_(Raumsonde)

„Die von Gaia gesammelten Beobachtungen definieren die Grundlagen der Astronomie neu“, sagt Günther Hasinger, ESA-Direktor für Wissenschaft.
Scheinbar gibt es in allen Dingen ein Muster, das Teil unseres Universums ist. Denn tief im menschlichen Bewußtsein besteht ein allgegenwärtiges Bedürfnis nach einem logischen Universum, das Sinn macht.
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